Tagebuch Session 17, verfasst von Anselm
Geburt im Wald und Kampf am Druidenhügel
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5.April

 

Die vergangenen beiden Tage haben uns mit außergewöhnlichen Ereignissen konfrontiert. Insgeheim wünsche ich mein alter Meister wäre hier, könnte wie wir Zeugnis der Geschehnisse ablegen und würde mir mit seinem Wissen und seiner Weisheit zur Seite stehen.

 

Doch ich will mich zügeln und alles der Reihe nach festhalten, auf dass meine Niederschrift mir selbst oder einem anderen Weg weisen möge, wenn mein Gedächtnis mich im Stich lassen oder ein anderer nach mir diese Gegend bereisen sollte.

 

Unser für meinen Geschmack etwas zu beflissener Verwalter hat uns informiert, dass bereits zwei erwartete Erzlieferungen von der Mine überfällig sind – wir sind bereits seit einigen Wochen ohne Nachricht. Da die Mine und die Werkzeugschmiede einen beträchtlichen Teil unserer Einkünfte ausmachen, beschließen wir nach dem Rechten zu sehen - und das möglichst rasch. Wir brechen am Nachmittag desselben Tages auf und begeben uns auf den Weg zur Mine, der mitten durch den Wald führt. Der erste Reisetag verläuft ohne besondere Vorkommnisse, auch wenn einige von uns zwischendurch das Gefühl haben eine Gestalt im Wald zu sehen. Auch die seltsame Krähe wurde wieder gesichtet. Leider konnte Franken sie diesmal nicht töten.

 

Die seltsamen Ereignisse beginnen nach Einbruch der ersten Nacht. Wie schon so oft wache ich für meine Kameraden, während sie sich von den Strapazen des Tages erholten. Plötzlich gewahre ich in der Ferne ein Licht, das durch die Stämme des Waldes getragen wird. Schnell wecke ich die anderen, damit sie nichts verschlafen. Ein Schrei in der Nacht. Ein Schmerzensschrei…

 

Das Licht erlischt. Wir nähern uns dem Ort, an dem wir es zuletzt gesehen haben – Franken schleicht voran, wir folgen schnell. Bald erreichen wir eine Lichtung im Wald, in deren Mitte eine kleine Hütte steht. Wieder ein Schrei, direkt aus der Hütte. Wir betreten sie und gewahren eine Frau, im Begriff ihrem Sohn das Licht der Welt zu schenken. Nachdem wir bei der Geburt geholfen haben, verbleiben wir für den Rest der Nacht bei der Familie. Ottokar, der als Geburtshelfer eingesprungen ist, wird zum Namenspate des Neugeborenen. Am kommenden Tag brechen wir früh auf, um den restlichen Weg zur Mine zurückzulegen. Doch schon bald holt uns Berthold der Bauer ein und bezichtigt uns seinen Sohn entführt zu haben. Gott sei Dank können wir den guten Mann beruhigen. Wir erklären uns bereit, der Sache auf den Grund zu gehen und den Sohn zurückzubringen.

 

Am Haus finden wir barfüßige Spuren, die in den Wald führen – dort gesellen sich einige Wolfsspuren hinzu. Die Fußspuren könnten zu einem alten Mann gehören, den Berthold letztlich um das Haus hat schleichen sehen. Er trug einen langen Bart und stank erbärmlich. Zudem trug er eine Wünschelrute. Ohne langes Zaudern folgen wir der Spur. Dabei ist uns der Hund der Bauernfamilie eine gute Hilfe. Vor uns hören wir ab und an das Schreien eines Kindes und auch Wolfsgeheul – wir sind auf dem richtigen Weg.

 

Doch dann überstürzen sich die Ereignisse. Die Bäume des Waldes und auch die Tiere scheinen sich gegen uns verbündet zu haben. Rodrigez stolpert über eine Wurzel, ein Ast schlägt ihm ins Gesicht, dann greift uns unser Hund an. Rodrigez hat keine andere Wahl, als ihn zu töten. Plötzlich öffnet sich der Wald vor uns. Wir stehen auf einer Lichtung, deren Mitte ein Hügel ziert.

 

Der Hügel ist dünn mit Gras bewachsen und von schmalen, schwarzen Brandlinien überzogen. Doch bevor wir uns weiteren Gedanken zu diesem seltsamen Ort hingeben können, greifen uns einige Tiere an, Ein Eber, ein Hirsch,… Wir flüchten uns auf den Hügel, auf den uns die Tiere nicht folgen, als ob sie durch Geisteshand vom Betreten abgehalten würden.

 

Oben auf dem Hügel angekommen stehen wir vor einem Höhleneingang aus Stein. Der Zugang scheint verschlossen gewesen und von innen aufgesprengt worden zu sein, wovon Splitter aus Stein vor dem Eingang stummes Zeugnis ablegen. Wir betreten die Höhle. Es ist stockfinster und wir haben unsere gesamte Ausrüstung bei der Familie in der Waldhütte zurückgelassen. Langsam tasten wir uns vorwärts. Dann fassen unsere suchenden Hände eine Statue - aus Stein – Sie trägt ein Schwert und blickt tiefer in die Höhle hinein. Ich begutachte die Statue genauer und stelle fest, dass es sich um den Heiligen Urban handelt. Bewacht er hier etwas? Wir folgen weiter dem Gang und stehen plötzlich in einem kreisrunden Raum. An der Wand wird er von kindergroßen Statuetten gesäumt, die alle Insignien von Heiligen tragen und deren Gesichter alt und eingefallen sind. in der Mitte befindet sich etwas, das wir zuerst für einen Brunnen halten, später erkennen wir, dass es sich um einen übergroßen Fingerknochen handelt (Wie muss das Wesen aussehen, dem dieser Knochen gehört hat?).

 

Doch wir sind in dem Raum nicht allein. Vor dem vermeintlichen Brunnen steht der alte Mann. Er ist im Begriff den Knaben, den er in Händen hält, zu opfern. Um ihn herum stehen zwei Wölfe, die ihre Zähne fletschen und ein bewaffneter Magyar. Sofort entbrennt ein erbitterter Kampf. Ottokar kann durch einen gewagten Sprung das Kind retten, Franken tötet den Druiden mit einem Schuss in den Kopf und Rodrigez kämpft gegen den Magyar. In dem Moment, in dem der Druide fällt, scheint sich ein Fluch von den Tieren und dem Barbar zu lösen: Sie scheinen verstört. Die Wölfe fliehen, der Magyar begeht Selbstmord mit einem Dolch. Zugleich explodiert die Luft um den toten Druiden und sprengt die Decke der Höhle weg. im Licht des Tages erkunden wir den Raum genauer. Auf dem Knochen finden wir eine Inschrift:

 

"Bannen und bewachen wirst du nur durch eine reine Seele ohne Fehl und Tadel"

 

Als wir uns erneut die Statuetten anschauen, erkennen wir, dass sie langsam verfallen und Risse bekommen. Wir verlassen schnell den Ort, ich nehme jedoch noch das benutzte Messer des Magyar, den Kopfschmuck, den der Knabe während der Zeremonie um die Stirn trug, und die Wünschelrute des Druiden mit.

 

Auf dem Weg nach draußen gewahren wir auch an der Statue des Heiligen eine Veränderung: Das Schwert

hat sich in Metall verwandelt. Es trägt ebenfalls eine Inschrift: "Die Hand des Herrn führe meinen Schlag" Auf dem Helm, der sich auf die gleiche geisterhafte Art in Metall verwandelt hat steht geschrieben: "Der Herr ist mir Schutz und Wehr"

 

Wir kehren zur Familie zurück. Auf dem Weg mache ich mir noch ein paar Notizen zur Reihenfolge der Statuetten.

 

Ich kann das Geschehene nicht erklären, ich kann es kaum begreifen.

Es handelte sich um nichts Dämonisches.

Trotzdem war es widernatürlich.

 

Die Frage, die auf dem gesamten Weg zurück meine Gedanken beschäftigt lautet: Wie kommt es, dass Figuren unserer Heiligen bei einem so unheiligen Ritual Wächter zu sein scheinen? Ich muss eine Antwort auf diese Frage finden.

 

Wir sollten zurückkehren und den Knochen mitnehmen. Ich muss unbedingt erforschen, was es damit auf sich hat. Wir müssen wissen, womit wir es zu tun haben und wir müssen rechtzeitig erfahren, wenn etwas mit dem Knochen passiert!