Alles Gerüchte, festgehalten von Rodrigez
Der Tag nach der Großen Schlacht von Osrung.
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Alles Gerüchte

 

Immer noch berauscht von unserem glorreichen Sieg auf dem Schlachtfeld von Osrung, treffen wir (Anselm, Ottokar und ich) die eiligst angereiste Matilde und Jonathan. Jeder hat auf dem Schlachtfeld oder auf dem Weg ein Gerücht aufgeschnappt: Ottokar erzählt, dass er auf dem Schlachtfeld gehört hat, wie Timusch von Brünn einem seiner Männer zugerufen hat: „Rettet die Soldkiste“. Mathilda ist Reitern begegnet, die behaupteten auf dem Weg zum Bischof zu sein und ihr versicherten, dass sich der Bischof hier in der Gegend befände. Anselm will erfahren haben, dass ein magyarischer Kaufmann geradewegs vom Blitz getroffen wurde, geradeso wie der Reiter, dem wir seinerzeit auf dem Weg nach Brünn begegneten. Jonathan ist zu Ohren gekommen, dass in Zweimühlen eine schreckliche Epidemie wütet - womöglich der Schwarze Tod – von der schon zahlreiche Dorfbewohner dahingerafft wurden und dass Panik in Zweimühlen herrscht. Mir ist wieder eingefallen, dass Godefroy einen unterirdischen See unterhalb von Osrung erwähnte und ich glaube mich zu erinnern, dass er von einem Schatz im See redete, so wie wir ihn auch in der Runghold vorgefunden haben. Alles Gerüchte, deren Wahrheitsgehalt es zu überprüfen gilt.

 

Marschall Ludorf und seine Truppen haben ins Osrung Quartier bezogen. Entsprechend des Sieges ist die Stimmung aufgeheizt. Letzte Bischhöfliche, derer man habhaft werden kann, werden ohne langes Aufhebens an Ort und Stelle gelyncht. Zum Glück befindet sich der Marschall und Leutnant Drohlenhorst bereits auf dem Wege der Besserung. Ritter Etzel von Gallis hat die Vergiftung besser weggesteckt. Seine gelben Augen zeigen, wie Mathilde meint, zwar noch die Symptome einer Vergiftung mit dem seltenen Balkakraut , aber er war immerhin imstande an der Schlacht teilzunehmen (und damit auch etwas ungerechtfertigterweise die Lorbeeren des Sieges einzustreichen). Mathilde wirft die Frage auf, wer eigentlich in der Lage gewesen sein könnte, dieses seltene Kraut zu beschaffen und in den Truck zu geben. Es sollte einiges dafür gegeben werden, wenn sich ein Verräter in unseren Reihen befindet, diesen seiner gerechten Strafe zuzuführen!

 

Der Versuch aus dem gefangenen Timusch von Brünn etwas herauszukitzeln erweißt sich erwartungsgemäß als ergebnislos. Der arrogante Großspur verkennt offensichtlich die Misslichkeit seine Lage. Sein Mitgefangene ist durch Drohungen und Versprechen eher zur Aufkunft bereit und bestätigt, dass sich der Bischof in der Gegend, in einem Kloster zwei Tagesritte weiter südlich befinden soll.

 

Die Siegesfeierlichkeiten ziehen sich bis tief in die Nacht. Dennoch erwachen Ottokar und ich am nächsten Morgen gut ausgeruht und erholt. Der Marschall ist ebenfalls über Nacht genesen und kann an der Heiligen Messe teilnehmen. Dort ist er voll des Lobes für den Ritter von Gallis, der, wie jeder weiß, am Schlachtfeld erschien, als der Sieg schon längst errungen war. Nun, was will man erwarten? Immerhin ist er ein Adliger und wir „nur“ die Herren (und Dame) von Igelsheim. Aber der Ritter ist ein Ehrenmann und weiß, was sich gehört. Als Zeichen seiner Anerkennung überlässt er uns zwei Schlachtrösser und drei Reitpferde aus der Kriegsbeute. Von so einem Schlachtross habe ich schon immer geträumt. Das ist der Grundstein für meinen ersten großen Sieg bei einem Ritterturnier! Im Gegenzug überlassen wir ihm Timusch. Wir werden zwar nie erfahren, welche Ablöse so ein Adliger einbringt, aber wenigstens ersparen wir uns die Scherereien mit der Übergabe und Lösegeldzahlung mit seinem Vater. Nachdem unser letztes Zusammentreffen mit den Herrschern von Brünn nicht gerade wohlwollend verlaufen ist, trägt diese Situation erst recht nicht zur guten Nachbarschaft bei. Ich nehme an, wir haben uns auf ewig einen Feind gemacht, der auf Rache sinnen wird. Irgendwann wird es wohl noch mal heißen: „er oder ich“!

 

Beim anschließenden Kriegsrat erweist sich Ritter von Gallis als erstaunlich zögerlich. Ich hatte ihn als einen Mann der Tat eingeschätzt, aber er zeigt kaum Entscheidungskraft und überlässt uns die weitere Planung. Wir entscheiden zwei Fähnlein Infantrie und ein Fähnlein Bogenschützen unter der Führung von Olafs Bruder in die Gegen von Wehrheim zu schicken. Einen halben Tagesmarsch vor Wehrheim sollen sie lagern, die gegen erkunden und auf uns warten. Wir reiten in der Zwischenzeit nach Süden und suchen nach dem Kloster, in dem sich angeblich der Bischof aufhalten soll. Anschließend stoßen wir zu den Truppen und werden mithilfe Mathildes und Jonathans Erkundungen, Ortskenntnis und List versuchen Wehrheim zu befreien und im Namen des Kaisers das Zentrum der Wildermark zu erobern.

 

Während der Beratungen fällt mein Blick auf den Brunnen am Dorfplatz und ich erkenne ihn als den Ort wieder, in den ich im Traum das Diadem des Opferkindes vom Druidenhügel geschmissen habe. Ein unhaltbares Verlangen packt mich! Ich höre die Worte meiner Großmutter, die mich dazu auffordern das Diadem in den Brunnen zu werfen und versuche Anselm das Diadem zu entreißen. Wir bemerken, dass er das Diadem gar nicht mehr bei sich trägt, sondern dass es sich in meiner Tasche befindet. Wie es dort hingekommen ist, weiß Gott allein. Ich kann mich nicht erinnern es an mich genommen zu haben. Als ich es erkenne stürze ich zum Brunnen und werfe es hinein. Die anderen können mich nicht mehr abhalten. Ich erwache wie aus einer Trance. Ich weiß, was ich getan habe, aber fühle mich, als wäre es ein fremdes Ich gewesen. Sehr rätselhaft. Dennoch fühle ich, dass ich dem Wunsch meiner Großmutter genüge getan habe und dass es richtig war.