Tagebuch Session 24 - Auf dem Weg nach Wehrheim
aufgezeichnet von Hildebrand
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Tagebuch – Sitzung 24

 

Im 1100ten Jahr des Herrn, gegeben durch Hildebrand

 

„Wie es uns ergangen ist, nachdem wir aus dieser Scheiße im Kloster entkommen sind? Na, erst ging es einmal eine Weile im Galopp dahin. Hatten ja die Magyaren im Nacken. Verdammt zähe Hunde sind das. Gereicht hat es ihnen aber nicht. Haben sie nicht mehr zu Gesicht bekommen.

 

Wir reiten also noch ein gutes Stück so dahin, bis wir alle merken, dass die Pferde schwächer werden und uns die Glieder schwerer. Sind’s dann also etwas ruhiger angegangen und konnten wieder etwas mehr denken. Da hat also Anselm, im Denken ja meist der Schnellere von uns, den Rodrigez nach der Schriftrolle aus der Truhe im Klosterturm gefragt. Schwupps das Siegel abgemacht und vorgelesen. War dem Grafen Gero von Wilders höchstpersönlich seins. Sein Testament von 1098. Signiert von nicht weniger als Abt Gregorius von Brünn, Theoderich von Igelsheim, Pietro di Milano, und Ritter Etzel von Gallys. Darin er sein ganzes Land und Zeug und Mann und Maus der heiligen Ekklesia vermacht. Außer dem Stadtschloss in Werheim, das seiner Familie bleiben soll. Da stellt sich natürlich die Frage, was damit machen und wem zeigen.

 

Während wir also noch so drüber grübeln und reden und auch darüber streiten, ob Rodrigez ein von Anselm und Franken gestohlenes Teil eines Apparatus zerstören könne, weil ihm gar schrecklich davon geträumet, kommt uns ein einfacher Pilger entgegen. Gleichwohls der Landpfleger von Werheim, Hanno von Wutzenwald, war. Der erzählt uns also, dass seine Anwesenheit in Werheim nicht weiter wichtig gewesen wäre und auch, dass er Peter von Anjous gekannt habe. Dieser habe sich von einem gütigen Mann zum feurigen Prediger gewandelt, der er heut ist. Vielleicht der Mann, den unsere Zeiten brauchen? Jedenfalls nahm Vater Hanno uns die Beicht ab. Gar leicht wurds mir da im Herzen und ich denk den andern auch. Bloß Anselm verlor sich, statt zu beichten, lieber in einer Diskussion mit dem Vater über gar allerlei Exegetisches, das Buch Hiob, die Arche und so manchen Apokryph. Was dabei herauskam verstand ich nicht, aber es bracht den Herrn von Wutzenwald dazu, uns zu erzählen, dass der heilige Vater in Rom, Clemens der II., vor wenigen Monaten gestorben sei. Gott erbarm sich ihm. Vielleicht deshalb auch fühlte Anselm sich bewegt genug, uns wissen zu lassen, dass er Dominikaner werden wolle, wenn er wieder nach Gallys käme.

 

Als Franken, Anselm und Rodrigez den lieben Vater dann recht hilfsbereit nach Norden verwiesen hatten, machten wir uns wieder auf in Richtung Werheim. Wartete dort ja auch noch das Igelsheimer Fähnlein in seinem Versteck auf uns. Dort kamen wir aber nicht an, ohne nicht vorher noch einen weiteren großen Mann zu treffen. Wenn er auch etwas gebeugt war. Das macht der Krieg mit großen Helden. Selbst wenn sie bei der Befreiung Jerusalems im heilgen Land zugegen waren. So trafen wir also auf ein Fähnlein der Roten Kompanie von Werheim, angeführt vom Herrn Ignatius, voll des Dursts und der Bosheit. Suchte Wein und vielleicht auch Streit von uns und ließ uns wissen, dass er selbst dabei gewesen, als Theoderich von Igelsheim sich in Jerusalem das Leben genommen. Dabei sollte der durstge Ignatius aber vor allem den Diakon aus dem Kloster im Osten holen. Gott zeig auch seiner Seel Erbarmen. Ignatius hatte den Befehl von Timusch von Brünn, der nun wohl die Macht in Werheim habe. So gingen wir auch wieder auseinander, jeder seiner Wege.

 

Rodrigez ließ sich nichts ankennen, aber ich glaub ihm ist fürwahr ein Held gestorben.

 

Nach einer kurzen Rast und wenig Streit über das Apparatus-Teil, von dem Rodrigez erneut geträumt, überzeugte Anselm den Spanier, dass seine Träume nun sowohl das eine aber auch das ander bedeuten könnten. Ein weiser Mann und ebenso behänd mit der Zunge wie Franken mit seinem Bogen und Rodrigez auf dem Pferd und nicht minder gefährlich darin, scheints mir.

 

Abgekämpft, nicht ganz erholt und voll des Hungers kamen wir zu guter Letzt dann doch beim Igelsheimer Fähnlein vor Werheim im Verstecke an. Das verstand sich augenscheinlich ganz gut mit den Fähnlein Etzel von Gallys‘ und dem oppensteiner Fähnlein. Auch wenn der Hunger und fehlender Sold die Stimmung langsam kippen ließ. Fünf oder sechs Tage saßen sie schon dort und waren scheinbar noch nicht entdeckt. Rodrigez half ihnen mit allerlei Geschrei und Aut Authu Führungskraft schon wieder zu etwas Stimmung. Nur, wie es weitergehen solle, war man sich nicht einig. Ein Sturm auf Werheim sollte wohl gewagt werden. Aber nicht überhastet und mit Überlegung. Und da sichs nicht gut überlegt mit leerem Magen, schickte ich mich mit zwei Hand unserer Mannen an, noch etwas an Vorräten bei einem Köhler in der Nähe zu besorgen. Traf dort nur auf die Herrin des Hofs mit ihren Kindern. War zu allem Unglück auch das Weib des Bauern, den die Männer erschlagen hatten. Konnts ihr noch weismachen, dass sie besser zu ihrer Schwester ginge, um dann ihren toten Mann in der Stadt zu holen. S’war gelogen, aber hat ihr vielleicht das Leben bewahrt und das der Kinder. Was ist eine Lüge gegen ein Leben? Was wiegt ein Seel? Wir nahmen alles von ihrem Hof.