Tagebuch Session 27 - Ritterschlag und Verleumdung
aufgezeichnet von Rodrigez
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Was nach der Großen Doppelschlacht vom Eichenhügel und Südwald geschah.

 

Einzug nach Wehrheim, Bevölkerung allenthalben wohlwollend.

 

Gerüchte, dass Bischof nicht Kämpfen wollte, sondern die weiße Fahne für Friedensverhandlungen geschwenkt hat, wir ihn aber niedergemetzelt haben.

 

Empfang in der Stadthalle durch Stadtrat Rudolf Leindecker. Verleihung des goldenen Schlüssels der Stadt

 

Stadtrat zeigt sich erstaunlich erfreut, dass wir da sind und die Bischöflichen vertrieben haben. Ob wahre Freude oder Opportunismus, ist nicht klar.

 

Etzel von Gallys hat Wort gehalten und wird mich Tages darauf durch Leutnant Fenn von Drolenhorst zum Ritter schlagen lassen.

 

Beichte beim Diakon war wohl keine gute Idee. Als Buße erlegt er mir auf 5 Schilling zu zahlen und im Büßergewand auf einen Marktplatz zu treten und zu gestehen, dass ich die Kirche bestohlen habe.

 

Die Nacht über verbringe ich mit innerer Einkehr und Zwiesprache mit Gott, betend in der Kapelle von Old Chruch. Dabei muss ich wohl kurz eingenickt sein. Im Traum erlebe ich, wie meine Oma mich antreibt: „Tu es, tu es!“ ruft sie, als ich gerade dabei bin, mit einem Hieb einen Kopf von den Schultern zu trennen. Im letzten Moment erkenne ich, es ist Jonathan und wache auf. Ist es Gott, der in meinen Träumen in Gestalt meiner Großmutter zu mir spricht?

 

Am nächsten Morgen findet die feierliche Zeremonie unter Teilnahme zahlreicher Zeugen statt, bei der ich zum Ritter geschlagen werde. Nach all den Jahren, all den Entbehrungen und dem ganzen Mühsal ist mein größter Wunsch in Erfüllung gegangen. Ich kann es immer noch nicht fassen, dass mir die Gnade Gottes zuteil geworden ist und ich nun ein Ritter bin. Ich will von nun an auf dem rechten Pfad wandeln und Gottes Wille wirken.

 

Während des Tages erleben wir beim Diakon eine Art Tribunal. Der Diakon hat alle Stadträte zu sich zitiert und führt Zeugen an, die erklären, dass die Bischöflichen die weiße Fahne geschwenkt haben und Zweifinger Heinrich bezeugt ein Dokument, aus dem hervorgehen soll, dass von Gallys Frieden mit dem Bischof schließen wollte. Natürlich alles erstunken und erlogen. Eine Säuberung der Stadt von diesem intriganten Gesindel wäre angebracht. Und insbesondere dieser miese kleine Wurm, dessen Leben wir seinerzeit geschont haben. Aufhängen hätten wir ihn sollen! Von wegen, dass er mal in unserer Schuld stehen würde! Pah!

 

Anschließend kam es noch zu einem Streitgespräch zwischen dem Diakon und Anselm über intellektuelle Spitzfindigkeiten, deren Inhalt sich mir nicht erschloss.

 

In der Stadt hatte ich das Gerücht aufgeschnappt, dass die Gebeine des St. Urban in den Wirren der Schlacht verschwunden sein sollen. Wir hatten schon den Diakon im Verdacht, dass er sich mit der Reliquie aus dem Staub machen wollte. Diese Sorge hat sich, Gott sei Dank, als unbegründet herausgestellt. Wie sich herausstellte, lagen die Gebeine noch an Ort und Stelle in einer Kapelle. Daneben befand sich eine Tafel mit einer anscheinend semitischen Inschrift, die leider weder Anselm noch einer von uns entziffern konnte. Später haben wir dann erfahren, dass die Inschrift in etwa lautet: „453, hier ruht Tanach vom Stamme Judäa, Bezwinger von Ruhbenzamael.“ Dabei kam uns erstmals die Verbindung zur Sage vom Riesengebirge in den Sinn. Dabei soll ein Turban tragender Wanderer aus einem entfernten Lande den Riesen Rübenszahml erschlug, indem er ihm zwei Balken aus Holz in den Hals schlug. Genauer hatte er den Riesen nicht erschlagen, sondern nur dafür gesorgt, dass das Blut stillstand und er nicht mehr atmete. Außerdem verfügte er, dass niemand den Riesen wecke damit ein jeder wieder ruhig schlagen könne.

 

Außerdem erzählte uns noch der Barbier, der Runghold Joshua, dass der Priester von St. Clemens, dem Kapitän der Runghold damals beim Angriff auf Rungheim ein Goldstück dafür geboten hat, dass er ihn aus Schiff lasse. Der Kapitän des bereits überfüllten Schiffs warf daraufhin den Runghold Joshua mit einem Tritt von Bord und ließ den Priester einsteigen. Wie sich später herausstellte, war es Joshuas Glück, denn das Schiff sank und verschlang alle mit Haut und Haaren und er überlebte.

 

Die Gerüchte, dass Igelsheim niedergebrannt wurde, treiben uns zum Aufbruch und zur Eile an. Wir lassen unsere Truppen zurück und machen uns mit dem Boot auf die Reise nach Igelsheim. Auf dem Boot treffen wir den Händler Willibald, der weiß, dass „DiVoletta zu den Magyaren übergelaufen ist.“ Außerdem weiß Willibald, dass Gewitter in der Nähe seltener – schwarzer – Metalle auftreten: „Gott wirft als Sternschnuppen Gegenstände vom Himmel, die dann heiß und schwarz werden und dabei treten auch Blitze auf. Solche Gegenstände sucht Willibald für seine Auftraggeber, die er uns nicht nennen will. Unsere Geschichten von messingartigen Gegenständen interessieren ihn nicht. Für ihn müssen die Gegenstände schwarz sein. Dafür kann er aber genau die Rune aufzeichnen, die seinerzeit in Igelsheim vom Blitz getroffen und verschwunden ist. Das kann doch kein Zufall sein. Dennoch ist Willibald ein undurchsichtiger Geselle, dem man nicht über den Weg trauen sollte.